ein Experiment mit Künstlicher Intelligenz
Ich habe ein Experiment gemacht.
Ich habe eine Künstliche Intelligenz (NotebookLM) mit einigen relevanten psychologischen Forschungsarbeiten zu Sehnsucht gefüttert und sie gebeten, daraus einen Podcast in Form einer Debatte zu erstellen.
Sie hat sich für den Aspekt „Ist kollektive Sehnsucht Fortschritt oder Sprengstoff?“ entschieden und innerhalb weniger Minuten ein auf den ersten Blick recht interessantes Produkt erstellt, dass Du hier anhören kannst.
Zwei Maschinen sprechen also über zutiefst menschliche Erfahrungen: über Emotionen, Verluste und Erinnerungen, Utopien, politische Ressourcen und Gefahren. Die Argumente scheinen differenziert, die Bezüge zur psychologischen Forschung korrekt, die Rhetorik klar und eingängig. Es klingt wie ein Streitgespräch zwischen zwei Expert:innen.
Man ist fast geneigt zu vergessen:
- Die KI empfindet nichts, auch keine Sehnsucht.
- Sie kennt kein schmerzliches Vermissen, keine Utopie, keinen Verlust.
- Und trotzdem kann sie darüber sprechen, als wäre es ihr vertraut.
Warum ist das so – und was sagt das aus über uns?
Künstliche Intelligenzen simulieren keine Gefühle – sie simulieren unser Sprechen über Gefühle
Eine KI hat kein Herz, das zieht (so heißt es im Podcast), kein Bild, das sie vermisst, keine Zukunft, auf die sie hofft.
Wenn wir eine KI über Sehnsucht sprechen lassen, imitiert sie lediglich unsere Art, über Gefühle zu sprechen. Sie hat keine Sehnsucht, kopiert aber unsere Sprechen darüber.
Die Überzeugungskraft der Debatte ist irritierend. Wir hören uns in den Podcast hinein und es scheint, als wären echte Personen beteiligt. Die Stimmen klingen engagiert, empathisch, analytisch, besorgt, weil wir sie mit Texten trainiert haben, in denen Menschen so klangen. Es sind Wahrscheinlichkeitsberechnungen, keine erfahrungsbasierten Erkenntnisse.
Die Gefahr liegt auf der Hand. Wir schreiben der KI schnell mehr Innenleben zu, als sie hat. Die sprachliche Perfektion täuscht Authentizität vor, wo keine ist.
Und dennoch ist sie eine Einladung zur Reflexion: über unsere Sprechen über Gefühle, deren zugrundeliegenden Muster und deren Deutungshoheit.




